Nazan in Santa Isabell

CIELALT von Oktober 2007 – März 2008

Am ersten Tag, als wir nach einem beinahe elfstündigen Flug endlich in Guayaquil (größte Stadt Ecuadors, nicht die Hauptstadt) erschöpft und müde ankamen, wurden wir, ohne dass wir es ahnten, von einer erdrückenden Hitze überwältigt. Durstig und orientierungslos hofften wir, dass man uns schon am Flughafen erwartet. Natürlich hat man uns nicht vergessen und zwei junge Ecuadorianer warteten mit weit offenen und suchenden Blicken, mit jeweils einem Schild, wo unsere Namen zu sehen waren, auf uns. Nun, das ist ein kurzer Bericht darüber, das Gewohnte und Vertraute, das eigene Land zu verlassen, um in einem viel aufregenderen und vielschichtigeren Land zu leben, wo vor allem Temperament, Musik und Tanz den Alltag bestimmt. Kathrin und ich schlossen im Mai 2007 die Bundes Bildungsanstalt für Sozialpädagogik ab und entschlossen uns, als Volontäre im Ausland neue Erfahrungen zu sammeln und bis dahin, eine für uns unbekannte Kultur kennenzulernen. Auch Johannes, ein enger Freund von uns, war von dieser Idee begeistert. So machten wir drei uns auf den Weg in ein neues Abenteuer.

Als Volontärin im Ausland, in einem Land wie Ecuador, zu arbeiten prägt einem Menschen, vor allem die Persönlichkeit. Man wird reifer, selbstständiger und entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit enorm weiter. Ich verbrachte leider nur für fünf Monate dort, wobei ich vier Monate an der Integrationsschule C.I.E.L.A.L.T als Freiwillige gearbeitet habe. Die restliche Zeit nütze ich dafür mit vier weiteren Volontären das Land zu erkunden. Die Zeit in der Schule war für mich einerseits sehr aufregend, aber andererseits auch sehr anstrengend, da vor allem meine nicht ausreichenden Spanischkenntnisse eine Barriere darstellten. So konnte ich zu Beginn meine Ideen, Aktivitäten und Vorstellungen nicht wirklich umsetzen. Ich versuchte mich auf eine andere Weise einzubringen, indem ich einfach die Kinder unterstützte. Ich half alltägliche Schwierigkeiten zu bewältigen und bemühte mich mit ihnen eine schöne und positive Zeit zu verbringen.

Nach ungefähr einem Monat entschloss ich mich, einem Spanischkurs zu besuchen. Dadurch konnte ich meine Sprachkenntnisse enorm verbessern. Nun war ich auch in der Lage, mehr mit den Kindern auf schulischer Ebene zu arbeiten. Ich unterstütze die Kindern im Unterricht und war bei den Hausaufgaben behilflich sein. Außerdem führte ich mit ihnen freizeitliche Aktivitäten, wie zum Beispiel „musizieren“ , problemlos durch. Mit Kathrin gemeinsam boten wir gelegentlich Englischworkshops an, vor allem für die älteren Schüler, da eine große Nachfrage bestand. Nach der Schule waren wir auch für Hausaufgabenbetreuung mancher Kinder zuständig, die jedoch auf Grund Zeitmangels nicht regelmäßig stattfanden.

Am Ende unseres Volontariatslebens entschlossen wir uns, einen weiteren Beitrag für die Schule zu leisten. Wir organisierten eine große Spendenaktion, um dadurch unser Projekt „Spielplatz“ zu finanzieren. Wir wollten einen Platz für die Kinder schaffen, wo sie sich austoben und motorisch entfalten konnten. Dadurch wurden die Pausen für die Kinder zu aufregenden und gleichzeitig entspannenden Zeiten. Dieses Projekt stellte für mich persönlich eine Herausforderung dar, weil natürlich nicht alles nach Plan und Ordnung verlief, auf Grund organisatorischer Probleme. Jedoch bewältigten wir auch diese. Nun, ich bin sehr froh, dass ich als Volontär helfen konnte, überhaupt in einem Entwicklungsland. Es ist traurig zu sehen, dass manche Menschen im Überfluss leben und andere wiederum um das Notwendigste tagtäglich kämpfen und hart arbeiten müssen. Viele wollen teilweise nicht sehen bzw. wahrhaben, dass Menschen verhungern bzw. keinerlei Sicherheiten im Leben haben. Es war mit vorher nicht bewusst, dass ich eigentlich ein gutes Leben führe.

Diese Zeit in Ecuador stellt die schönste, erfahrungsreichste und aufregendste Zeit meines Lebens dar und ich bin froh und dankbar dafür, dass mir das ermöglicht wurde. Außerdem habe ich dort Freunde fürs Leben gefunden, mit denen ich noch immer regelmäßig in Kontakt stehe. Dankeschön an Willi, Rosie und an alle, die uns unterstützt und motiviert haben, diesem Projekt beizutreten.