Peter

Das Frauenhaus "MARIA AMOR"

Im Frauenhaus „Maria Amor“ finden Frauen und deren Kinder aus innerfamiliären Gewaltsituationen Zuflucht und Förderung. Den Frauen, die auch psychologisch unterstützt werden, wird dabei geholfen, finanziell auf eigenen Beinen stehen zu können und somit von ihren Männern unabhängig zu werden. In diesem Zusammenhang betreibt das Frauenhaus auch eine Wäscherei, in der die Frauen arbeiten können. Der Kinderbereich, in dem ich tätig war, unterstützt die Kinder sowohl bei alltäglichen Angelegenheiten wie Hausübung und Freizeitgestaltung, hat aber auch zum Ziel, sich um die individuellen Bedürfnisse der Kinder zu kümmern und sie dementsprechend zu fördern. Viele Kinder zeigen auf Grund der belastenden familiären Situation Verhaltenauffälligkeiten. Gelegentlich organisierte ich auch Ausflüge. Ich arbeitete im Team mit anderen Voluntären. Regelmäßig gab es auch Besprechungen mit Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen, in denen neben organisatorischen Angelegenheiten auch auf die individuellen Probleme der Kinder eingegangen wurde.
Der Umgang mit den Kindern bereitete mir große Freude und es war beeindruckend für mich, wie sie mit ihrem schwierigen Hintergrund trotzdem so fröhlich und aufgeschlossen sein können.

Ich befasste mich intensiv mit dem Thema familiärer Gewalt, was ich oft auch als schockierend empfand. Als Mann hatte ich im Frauenhaus eine besondere Rolle und bestimmt auch eine Vorbildfunktion den Kindern gegenüber. Ich glaube es war gut, dass die Kinder ein alternatives Männerbild im Kontrast zum gewalttätigen Vater erleben konnten.
Was die Organisation betrifft (Arbeitszeiten, Anzahl der Mitarbeiter) war es oft schwierig, weil die Anzahl der Kinder stark schwankt und es so manchmal vorkommt, dass das Team schwer unterbesetzt ist. Deswegen war die Tätigkeit teilweise auch sehr anstrengend.

Um seine Freizeit muss man in der Casa Maria Amor schwer kämpfen! Das Frauenhaus "Maria Amor" ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Projekt für Ecuador. Die Situation vieler Frauen in Ecuador ist schwierig, da sie schlecht ausgebildet sind und oft sehr früh schwanger werden. So entwickelt sich eine große (auch finanzielle) Abhängigkeit dem Ehemann gegenüber und es ist sehr schwierig, im Fall von Gewalt sich von ihm zu trennen. Das Frauenhaus bietet die Gelegenheit, diesen Schritt eher zu wagen.

Allgemeines über Ecuador
Ecuador hat landschaftlich unglaublich viel zu bieten und man sollte alles daran setzen, damit man während einer Tätigkeit als Voluntär auch Zeit zum Reisen hat. Es ist eines der vielfältigsten Länder überhaupt, so kann man einen Tag am Strand in Montanita einen Cocktail genießen, am nächsten Tag eine Wanderung auf 5000m machen, nur um am darauffolgenden Tag im Oriente (Regenwaldgebiet) den Affen nachzustellen.

Zur Kultur: Ich habe die Menschen meist als sehr freundlich erlebt. Die Gesellschaft ist allerdings hierarchischer als bei uns, und manchmal hat man es als junger Voluntär gegenüber den älteren Angestellten schwer. Die Familie ist sehr wichtig, so sind die Straßen sonntags sehr leer. Ecuador hat einen relativ hohen Anteil an indigener Bevölkerung, ist aber gleichzeitig sehr katholisch. Also ist Ecuador auch in Bezug auf seine Einwohner sehr vielfältig. So lebt ein Indigener im Andenhochland ganz anders als ein Indigener im Regenwalt und neben europäischem Einfluss gibt es auch (eher an der Küste) einige Schwarze.

Als „Extranjero“ (Ausländer), wird man von Taxifahrern und anderen geschäftstreibenden natürlich regelmäßig um einige Dollar betrogen. Hier hilft gute Information über übliche Preise.

Zur Kriminalität: Man sollte schon aufpassen, und nachts besser das Taxi nehmen. Fast alle Voluntäre/Innen, die ich getroffen habe, sind bestohlen worden. Daher bitte aufpassen, was man bei sich trägt! Zu Körperverletzungen kommt es zum Glück sehr selten. Die meisten Diebe sind mit ein paar Dollarn schon zufrieden.
Generell fiel mir auf, wie die „Reichen“ ihren Besitz und Ihre Grundstücke schützen: Mit Alarmanlagen und auch bewaffneten Sicherheitskräften.

Im Großen und Ganzen überwiegen meiner Meinung nach die positiven Aspekte des Landes und ich werde es sobald wie möglich wieder besu chen!